MFA beim Psychiater: Aufgaben, Empathie & Gehalt
Was macht eine MFA in der psychiatrischen Praxis? EEG-Assistenz, Testpsychologie, Krisenmanagement – alle Aufgaben, Gehalt und warum der Bedarf stark wächst.

Auf einen Blick
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder medizinische Diagnose. Bei psychischen Problemen wenden Sie sich bitte immer an Ihren Psychiater oder eine qualifizierte medizinische Fachperson. Bei akuten Krisen (Suizidgedanken, Psychosen) wählen Sie bitte sofort den Notruf 112.
Die Psychiatrie und Psychosomatik ist eines der am stärksten wachsenden Fachgebiete in der ambulanten Medizin. Der Bedarf übersteigt seit Jahren das Angebot, neue Praxen entstehen, und die Gesellschaft destigmatisiert psychische Erkrankungen zunehmend.
Für MFA, die ein ruhigeres Arbeitsumfeld und tiefe Patientenbeziehungen suchen, ist die Psychiatrie eine besonders attraktive Wahl – mit wachsenden Karrierechancen.
Aufgaben der MFA in der Psychiatrie: Detaillierte Praxis-Erklärung
EEG & Neurophysiologie
- Elektroden nach 10-20-System anlegen
- Ruhe-EEG aufzeichnen
- Provokation (Hyperventilation, Flickerlicht)
- Schlaf-EEG vorbereiten
- Elektroden desinfizieren und reinigen
Die EEG-Anlegung erfordert fundierte Kenntnisse der Neuroanatomie und Elektrodenplatzierung. 10-20-System: Als MFA legst du die Elektroden an (21 Elektroden: Fp1, Fp2, F3, F4, C3, C4, P3, P4, O1, O2, F7, F8, T3, T4, T5, T6, Fz, Cz, Pz, Ground, Reference), führst die Hautvorbereitung durch (Abreiben mit Alkohol, Schmirgelpaste zur Impedanzreduktion <5 kΩ), befestigst die Elektroden (Elektrodenpaste, Klemmen, Cap-Systeme) und startest die Aufzeichnung (EEG-Gerät: z.B. Nihon Kohden, Neuroscan, Sampling-Rate 250-500 Hz, Filter 0,5-70 Hz). Provokation: Hyperventilation (3 min, Hyperventilation bei Epilepsie-Diagnostik), Flickerlicht (Intermittierende Lichtstimulation, 1-30 Hz, bei Photosensitivität). Schlaf-EEG: Vorbereitung (Schlafentzug, Nachtzeitmessung), Indikationen (Schlafstörungen, Epilepsie, Parasomnien). Du kennst die Normalwerte (Alpha-Rhythmus 8-13 Hz, Beta-Rhythmus 13-30 Hz, Theta-Rhythmus 4-7 Hz, Delta-Rhythmus 0,5-4 Hz) und die Pathologien (Spikes, Sharp Waves, Spike-and-Wave-Komplexe bei Epilepsie, Verlangsamung bei Enzephalopathie).
Testpsychologie-Assistenz
- Psychologische Tests ausgeben (HAM-D, BDI, ADHS-Fragebögen)
- Testdurchführung zeitnehmen
- Ergebnisse digitalisieren
- Mini-Mental-Status (MMS) assistieren
- Dokumentation in Praxissoftware
Die Testpsychologie-Assistenz erfordert fundierte Kenntnisse der psychometrischen Verfahren. Depressionstests: HAM-D (Hamilton Depression Rating Scale, 17 Items, Score 0-7: Remission, 8-13: milde Depression, 14-18: moderate Depression, 19-23: schwere Depression, >24: sehr schwere Depression), BDI-II (Beck Depression Inventory-II, 21 Items, Score 0-13: minimal, 14-19: mild, 20-28: moderate, 29-63: schwer). ADHS-Tests: WURS-k (Wender-Utah Rating Scale-Kurzform, 25 Items), Conners-3 (Conners 3rd Edition, Parent/Teacher/Self-Report), DIVA-2 (Diagnostic Interview for ADHD in Adults). Kognitive Tests: MMSE (Mini-Mental State Examination, 30 Punkte, <24: Demenz-Verdacht), MoCA (Montreal Cognitive Assessment, 30 Punkte, <26: leichte kognitive Beeinträchtigung). Als MFA gibst du die Tests aus (Papierfragebögen, digitale Tests: Testzentrale, Promis), nimmst die Testdurchführung (Zeitmessung, Anleitung), digitalisierst die Ergebnisse (Eingabe in Praxissoftware, Score-Berechnung) und dokumentierst die Befunde. Du kennst die Indikationen (Depression, ADHS, Demenz, Angststörungen) und die Testgütekriterien (Reliabilität, Validität, Objektivität).
Medikamenten-Monitoring
- Blutentnahme für Medikamentenspiegel
- Lithium-, Clozapin-, Valproat-Werte koordinieren
- Nebenwirkungen dokumentieren
- Blutdruckmessung unter Medikation
- EKG-Anlegen (QTc-Zeit-Monitoring)
Das Medikamenten-Monitoring erfordert fundierte Kenntnisse der Psychopharmakologie und Laborwerte. Medikamentenspiegel: Lithium (Therapiespiegel 0,6-1,2 mmol/L, Toxizität >1,5 mmol/L, Labor: 12h nach Einnahme, wöchentlich initial, dann monatlich), Clozapin (Therapiespiegel 200-350 ng/mL, Labor: 12h nach Einnahme, wöchentlich initial, dann monatlich, Agranulozytose-Risiko: wöchentliches Blutbild), Valproat (Therapiespiegel 50-100 µg/mL, Labor: Talspiegel vor morgendlicher Einnahme, initial wöchentlich, dann monatlich). Antidepressiva: SSRI (Fluoxetin, Sertralin, Citalopram), SNRI (Venlafaxin, Duloxetin), TZA (Amitriptylin, Nortriptylin), MAO-Hemmer (Moclobemid). Antipsychotika: Typisch (Haloperidol, Chlorpromazin), Atypisch (Risperidon, Olanzapin, Quetiapin, Aripiprazol). Nebenwirkungen: Extrapyramidale Symptome (EPS), Gewichtszunahse, Sedierung, QTc-Verlängerung, Metabolisches Syndrom. Blutdruckmessung: Orthostatische Hypotonie bei Antipsychotika, Messung im Liegen und Stehen. EKG: QTc-Zeit-Monitoring bei Antipsychotika (QTc >450 ms Männer, >470 ms Frauen: Risiko für Torsades de pointes). Du kennst die Kontraindikationen (Schwangerschaft, Leberinsuffizienz, Niereninsuffizienz) und die Notfallmaßnahmen (Agranulozytose: sofortige stationäre Aufnahme, QTc-Verlängerung: Medikamentenpause, Kardiologe).
Patientenbegleitung & Organisation
- Krisentelefonate empfangen und eskalieren
- Wartelistenmanagement (6–12 Monate)
- Überweisungen (KJP, Sucht, Gutachter)
- Telepsychiatrie-Termine koordinieren
- Schweigepflicht und DSGVO besonders beachten
Die Patientenbegleitung und Organisation erfordern fundierte Kenntnisse der Krisenintervention, Abrechnung und Datenschutz. Krisenmanagement: Als MFA empfängst du Krisentelefonate (Suizidgedanken, Psychosen, Panikattacken), eskalierst an den Arzt (sofortige Vorstellung bei Suizidrisiko, Notruf 112 bei akuter Gefahr), führst die Krisenintervention durch (Deeskalation, emotionale Stabilisierung, Sicherheit gewährleisten) und dokumentierst den Vorfall (Krisenprotokoll, Maßnahmen, Überweisung). Wartelistenmanagement: Koordination der Wartelisten (6-12 Monate Wartezeit), Priorisierung (Akute Krisen: sofortige Vorstellung, Routine: reguläre Termine), Kommunikation mit Patienten (Wartezeit-Information, Termineinladungen). Überweisungen: KJP (Kinder- und Jugendpsychiatrie), Sucht (Suchtmedizin, Entzugskliniken), Gutachter (MDK, Rentenversicherung), Psychotherapie (Verhaltenstherapie, Tiefenpsychotherapie). Telepsychiatrie: Koordination von Online-Terminen (Video-Sprechstunden, Telefon-Sprechstunden), technische Unterstützung (Plattform: Doctolib, Medgate, Video-Software), Datenschutz (Verschlüsselung, sichere Übertragung). Schweigepflicht: § 203 StGB (ärztliche Schweigepflicht), § 9 BÄO (Berufsordnung), DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung), Patientendaten (Akten, Laborwerte, Diagnosen). Du kennst die Notfallmaßnahmen (Suizidprävention: Krisenintervention, stationäre Aufnahme, Betreuungsgesetz) und die rechtlichen Grundlagen (Unterbringung nach PsychKG, Betreuungsrecht).
Vorteile & Herausforderungen
✅ Vorteile
- • Ruhiges, strukturiertes Arbeitsumfeld
- • Tiefe, langfristige Patientenbeziehungen
- • Stark wachsendes Fachgebiet – viele neue Stellen
- • Weniger physisch belastend als andere Fachrichtungen
- • Gesellschaftlich sehr sinnvolle Arbeit
- • Telepsychiatrie bietet flexible Arbeitsmodelle
⚠️ Herausforderungen
- • Emotionale Belastung (Suizidrisiko, Psychosen)
- • Wartelisten-Management frustrierend für Patienten
- • Strikte Schweigepflicht und DSGVO
- • Selbstschutz und emotionale Abgrenzung notwendig
Gehalt als MFA beim Psychiater 2026
| Erfahrung / Qualifikation | Gehalt brutto/Monat |
|---|---|
| Einstieg | 2.100 – 2.300 € |
| Mit EEG-Kenntnissen | 2.300 – 2.600 € |
| Erfahren (5+ J.) | 2.600 – 2.900 € |
| In psychiatr. Institutsambulanz (PIA) | 2.700 – 3.100 € (TVöD) |
Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA) zahlen nach TVöD – oft höher als niedergelassene Praxen. Wenn du bereit bist, in einer Klinik-Ambulanz zu arbeiten, winken bessere Gehälter plus betriebliche Altersvorsorge.
Geräte & Technologien in der Psychiatrie: Expertenwissen für die Praxis
EEG-Geräte wie Nihon Kohden Neurofax, Neuroscan oder Micromed bieten Elektroenzephalografie. Als MFA legst du die Elektroden an (10-20-System, 21 Elektroden, Impedanz <5 kΩ), führst die Aufzeichnung durch (Sampling-Rate 250-500 Hz, Filter 0,5-70 Hz, Dauer 20-30 min), überwachst die Provokation (Hyperventilation, Flickerlicht) und interpretierst die Ergebnisse (Alpha-Rhythmus 8-13 Hz, Beta-Rhythmus 13-30 Hz, Theta-Rhythmus 4-7 Hz, Delta-Rhythmus 0,5-4 Hz, Spikes bei Epilepsie). Du kennst die Indikationen (Epilepsie, Demenz, Enzephalitis, Schlafstörungen) und die Kontraindikationen (offene Wunden, Infektionen).
EKG-Geräte wie Schiller Cardiovit CS-200, GE MAC 3600 oder Philips PageWriter TC50 bieten 12-Kanal-EKG. Als MFA legst du das EKG an (12-Kanal, 25 mm/s, 10 mm/mV), führst die Messung durch (QTc-Berechnung nach Bazett: QTc = QT / √RR), interpretierst die Ergebnisse (QTc <450 ms Männer, <470 ms Frauen normal, >500 ms: hohes Risiko für Torsades de pointes) und dokumentierst die Befunde. Du kennst die Indikationen (Antipsychotika-Therapie, Kardiomyopathie-Verdacht) und die Kontraindikationen (akuter Myokardinfarkt).
Blutdruckmessgeräte wie Omron M6, Welch Allyn ABPM 6100 oder boso medicus bieten Blutdruckmessung. Als MFA führst du die Messung durch (im Liegen nach 5 min, im Stehen nach 1 und 3 min), interpretierst die Ergebnisse (orthostatische Hypotonie: Abfall systolisch >20 mmHg oder diastolisch >10 mmHg) und dokumentierst die Befunde. Du kennst die Indikationen (Antipsychotika-Therapie, Hypotonie-Verdacht) und die Referenzwerte (normal: <140/90 mmHg).
Testpsychologie-Software wie Testzentrale, Promis HealthCircle oder Schuhfried bieten digitale Tests. Als MFA gibst du die Tests aus (Online-Zugang, Testlinks), nimmst die Testdurchführung (Zeitmessung, Anleitung), digitalisierst die Ergebnisse (Score-Berechnung, Auswertung) und dokumentierst die Befunde. Du kennst die Tests (HAM-D, BDI-II, WURS-k, Conners-3, DIVA-2, MMSE, MoCA) und die Testgütekriterien (Reliabilität, Validität, Objektivität).
Telepsychiatrie-Plattformen wie Doctolib, Medgate oder DocDok bieten Online-Sprechstunden. Als MFA koordinierst du die Termine (Video-Sprechstunden, Telefon-Sprechstunden), unterstützt du die technische Einrichtung (Video-Software, Mikrofon, Kamera, Internetverbindung) und überwachst du die Datenschutz-Compliance (Verschlüsselung, sichere Übertragung, DSGVO). Du kennst die Indikationen (Routine-Termine, Krisenintervention, ländliche Versorgung) und die Kontraindikationen (akute Psychosen, Suizidrisiko).
Labor-Informationssysteme wie LIS, Laborberichte oder Praxissoftware bieten Laborwert-Management. Als MFA koordinierst du die Blutentnahme (Medikamentenspiegel: Lithium, Clozapin, Valproat), überwachst du die Laborwerte (Therapiespiegel, Toxizität, Agranulozytose-Risiko) und dokumentierst die Befunde. Du kennst die Referenzwerte (Lithium 0,6-1,2 mmol/L, Clozapin 200-350 ng/mL, Valproat 50-100 µg/mL) und die Notfallmaßnahmen (Lithium-Toxizität: Hämodialyse, Clozapin-Agranulozytose: sofortige stationäre Aufnahme).

Quellen & weiterführende Links
Content-Informationen
Erstellt von der M-FA.de Redaktion auf Basis aktueller Leitlinien und Fachinformationen. Zuletzt aktualisiert: April 2026.
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